Paulus
– Wegbereiter des Christentums
Heft 51 (1/2009)
Paulus, ein Zeltmacher aus Tarsus:
Die geballte Kraft seines Vorgehens entstammte der
Überzeugung, dass mit Jesus aus Nazaret die Weltgeschichte
eine grundlegende Wende erfahren hatte: Ab sofort war es
möglich, am „Himmel auf Erden“ konkret
mitzuarbeiten und mitten im griechisch-römischen Alltag, mit
all seinen Tempeln und Kulten, die Existenz des einen und einzigen
Gottes erfahrbar zu machen. Orte dieser neuen jüdischen
Frömmigkeit und Lebenspraxis waren die kleinen Gemeinden
(maximal ca. 100 Personen), deren Aufbau und Pflege Paulus zusammen mit
anderen Missionaren seine ganze Aufmerksamkeit widmete. Allein seine
Briefe und die Apostelgeschichte nennen etwa 40 Personen, die gemeinsam
mit Paulus neue „Zellen messianischen Lebens“
aufbauten und bestehende betreuten.
Interessant ist dabei, welch bedeutende Rolle Frauen in dieser
„Vorgeschichte des Christentums“ spielten.
Revolutionär war die Offenheit, die dort einzog: „Alles
ist erlaubt – alles ist rein!“ waren
provozierende Slogans, mit denen Paulus religiöse
Ängste abschüttelte. Sein Kriterium für
richtiges Tun und Lassen war die Frage, ob es dem einzelnen Menschen
und der Gemeinschaft dient. Nicht, dass alles ideal gewesen
wäre damals. Die Schreiben des Paulus lassen zwischen den
Zeilen sogar heftige Auseinandersetzungen erkennen. Aber gewonnen hat
doch die Überzeugung, dass es gelingen kann, Gottes- und
Menschennähe zur Deckung zu bringen und damit die Welt zum
Besseren zu verändern.
Manche seiner Grundsätze und Ideen sind den scheinbaren
Sachzwängen kirchlicher Realität im Laufe der Zeit
zum Opfer gefallen. Doch seine Grundidee, Kirche als bunte Gemeinschaft
über alle Begrenzungen hinweg zu gestalten, könnte
jetzt wieder an Bedeutung gewinnen. Die bei Paulus komplett fehlenden
Berührungsängste gegenüber fremden
Religionen und Kulturen könnten für eine heutige
christliche Kommunikation mit Menschen aus anderen Kontexten modellhaft
sein.
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